Obst-Info Franken

Kern- und Steinobst Nr. 30 vom 03.08.2022

*Unsere Hinweise erfolgen ab diesem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Obstinformationszentrum Hiltpoltstein. In sehr späten Lagen Frankens werden die unten beschriebenen Entwicklungen/Ereignisse ggf. erst in etwa 10 Tagen erreicht.

Vegetationsentwicklung in frühen bis mittleren Lagen Frankens

‘Topfive‘

‘Topfive‘

‘Galmac‘

‘Galmac‘

‘Delbarestivale‘

‘Delbarestivale‘

‘Santana‘

‘Santana‘

Zwetschgen: In dieser Woche sind Sorten wie ‘Topfive‘ und ‘Dabrovice‘ pflückreif. Apfel: Ernte von Frühsorten. Voraussichtlicher Erntebeginn bei Herbst- und Lagersorten siehe unten!

Der Vegetationsstand ist vergleichbar mit dem sehr frühen Jahr 2020. Im Vergleich zum Vorjahr sind wir
etwa 2 Wochen voraus. Die Erntetermine bei Zwetschgen, Birnen und Äpfeln liegen dementsprechend früher.

Wettervorhersage

Der morgige Donnerstag wird mit bis zu 37° C der heißeste Tag dieser Woche. Für Freitag sind vereinzelte Gewitter gemeldet. Danach geht es mit Temperaturen zwischen 25 und 30° C in den kommenden Tagen etwas kühler aber immer noch überwiegend niederschlagsfrei weiter.

Bewässerung

Die weiterhin extrem trockene Witterung erfordert mittlerweile auch bei sehr guten Bodenqualtitäten zusätzliche Wassergaben. Der tägliche Wasserbedarf beträgt, je nach Baumvolumen, zwischen 6 und 10 l.

Kernobst

Die Ernte von Frühsorten ist im Gange. Erste gut ausgefärbte ‘Delbarestivale‘ können im Wochenverlauf
überpflückt werden. Manche Herbstsorten wie z.B. ‘Santana‘ sind auch bereits sehr gut gefärbt, aber noch
unreif.
Die Erntetermine der verschiedenen Sorten dürften etwa 14 Tage früher als im Vorjahr liegen. Mit dem Erntebeginn
der ersten Herbstsorten wie z.B. ‘Santana‘, die für eine längere Lagerung geeignet sind, wird in
frühen Lagen ab KW 33 (15. August) zu rechnen sein. Auch die Ernte der Hauptsorte ‘Elstar‘ dürfte ebenfalls
bereits in dieser Woche (ab ca. 20. August) starten.

Die Festlegung des richtigen Erntezeitpunktes ist entscheidend für Geschmack, Haltbarkeit bzw. auch für das Auftreten physiologischer Probleme während der Lagerung.
Aufgrund spezieller Standortgegebenheiten (Nord- oder Südhang, Hagelnetz, usw.) können die optimalen Erntetermine von Anlage zu Anlage aber deutlich variieren. Der optimale Erntezeitpunkt muß daher für jede Obstanlage individuell ermittelt werden.

Neben den klassischen Reifemerkmalen wie Aufhellung der Grundfarbe, Fruchtfleischfarbe, Geschmack (Grasigkeit), Stiellösbarkeit, Deckfarbenausprägung u.a. sollten vor allem die Parameter Fruchtfleischfestigkeit, Zuckergehalt und Stärkeabbau für die Reifebeurteilung herangezogen werden.
Die folgende Tabelle enthält die entsprechenden Werte für die wichtigsten Apfel- und Birnensorten in unserem Gebiet. Die empfohlenen Werte gelten für Früchte, die für eine längere Lagerung bestimmt sind. Sie zeigen den Beginn (hoher Penetrometerwert, niedriger Refraktometerwert, niedriger Stärkeabbauwert) und das Ende des Erntefensters (niedriger Penetrometerwert, hoher Refraktometerwert, hoher Stärkeabbauwert) an.
Der sog. Streifindex verknüpft die 3 genannten Merkmale. Für jede Sorte gibt es einen Optimalwert für den Erntebeginn und das Ernteende. Der höhere Reifeindex zeigt an, wann die Ernte begonnen werden kann, der niedrigere Reifeindex gibt an, wann die Ernte für die Langzeitlagerung abgeschlossen sein sollte. Später geerntete Früchte dürfen dann nur noch für die kurzzeitige Lagerung verwendet werden.
Beispiel Elstar: Erntebeginn ab einem Index von 0,3, Ernteende für Langzeitlagerung bei einem Index von 0,15.
Reifeindex nach Streif = Penetrometerwert / Stärkeabbauwert x Refraktometerwert

Für den Fall, daß nicht alle 3 Messparameter im Bereich des Erntefensters liegen, bewertet man diese am besten in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit (Penetrometerwert → Stärkeabbau → Zuckergehalt).
Für den spätesten Erntetermin sollte das Minimum an Festigkeit ein entscheidendes Kriterium sein.
Für den frühesten Erntebeginn sollte das Minimum des Stärkeabbaus ein entscheidendes Kriterium sein. Falls die Fruchtfleischfestigkeit einen höheren Wert aufweist als derjenige zum Beginn des Erntefensters oder ein tieferer Stärkewert vorliegt, als derjenige zum Beginn des Erntefensters, sind die Früchte noch nicht reif genug. Mit der Ernte sollte dann noch gewartet werden. Liegen umgekehrt tiefere Fruchtfleischfestigkeitswerte vor als diejenigen am Ende des Erntefensters bzw. liegen höhere Stärkeabbauwerte vor, als diejenigen am Ende des Erntefensters, sind die Früchte zu weit in der Reife fortgeschritten und sind so-mit nicht mehr für eine langfristige Lagerung geeignet.

Hinsichtlich der Interpretation der hier beschriebenen Reifewerte sollte auch beachtet werden, daß diese zwar grundsätzlich gute Anhaltspunkte für den optimalen Pflücktermin geben, allerdings durch Behang, Witterung, u.a. Rahmenbedingungen zusätzlich beeinflusst werden.
So wird beispielsweise bei sehr hohem Fruchtbehang weniger Stärke eingelagert, die dann auch noch schneller abgebaut wird. Dies kann Überreife vortäuschen. Umgekehrt wird bei schwachem Behang viel Stärke in die Früchte eingelagert, die zudem langsam abgebaut wird. Dies täuscht Unreife vor. Auch die Witterung bzw. Temperatur beeinflusst den Stärkeabbau. Wärme verlangsamt den Stärkeabbau und Kälte beschleunigt ihn.

Die Abschlußbehandlungen für Sorten, die für eine längere Lagerung vorgesehen sind, sollten spätestens 3 Wochen vor der Ernte beginnen. Empfohlene Mittel: Merpan 80 WDG (0,75 kg – WZ: 21 Tage), Flint (0,05 kg – WZ: 7 Tage), Geoxe (0,15 kg – WZ: 3 Tage), u.a..

Kontrollieren Sie anhand des Falterfluges und Einbohrstellen, ob weitere Behandlungen gegen den Apfelwickler notwendig sind. Zur Bekämpfung können Granuloseviren wie z.B. Madex Max (0,05 l) eingesetzt werden.

Calciumbehandlungen zur Stippebekämpfung fortsetzen. Anwendungen am späten Abend oder sehr früh am Morgen, bei hoher rel. LF ausführen, damit die Blattdünger lange in Lösung bleiben und aufnehmbar sind. Keine Anwendung bei starker Sonneneinstrahlung und T > 25 °C. Letzte Behandlung ca. 2 Wochen vor der Ernte.

Ernterichtwerte und Reifeindex nach Streif, u.a. für Tafeläpfel und -birnen
Sorte Penetrometerwert* Refratometerwert (°Brix) Stärkeabbauwert (Skala 1 – 10) Streifindex- Ernte- Beginn - Ende
Arlet 7,0 – 8,0 11,5 – 12,5 4 – 6 0,15 – 0,08
Baya Franconia 7,5 – 8,5 12,0 - -13,0 4 – 6 0,18 – 0,10
Baya Marisa 7,0 – 8,0 11,0 – 12,0 3 – 5 0,24 – 0,12
Berlepsch 8,5 – 9,0 12,0 – 13,0 4 – 5 0,30 – 0,15
Boskoop 8,0 – 9,0 11,5 – 12,5 4 – 6 0,15 – 0,08
Braeburn 8,0 – 9,0 11,5 – 12,5 4 – 5 0,20 – 0,14
Cox Orange 7,0 – 8,0 11,0 – 12,0 4 – 6 0,20 – 0,08
Delbarestivale 7,0 – 7,5 12,0 – 14,0 4 – 6 0,15 – 0,10
Diwa 7,0 – 8,0 11,5 – 12,0 4 – 5 0,17 – 0,11
Elstar 7,0 – 8,0 11,5 – 12,5 2 – 3 0,30 – 0,15
Fiesta 7,5 – 8,5 11,0 – 12,0 4 – 6 0,30 – 0,15
Florina 7,0 – 8,5 11,5 – 13,0 7 – 8 0,08 – 0,07
Freih. vo. Hallberg 7,0 – 8,0 11,0 – 12,0 5 – 6 0,15 – 0,10
Fuji 8,0 – 9,0 12,5 – 13,5 7 – 9 0,08 – 0,04
Gala 8,0 – 9,0 11,5 – 12,5 4 – 6 0,16 – 0,08
Gloster 8,0 – 9,0 11,0 – 12,0 2 – 4 0,40 – 0,24
Golden Delicious 7,0 – 8,0 11,5 – 12,5 6 – 8 0,10 – 0,05
Gräfin Goldach 8,0 – 9,0 11,0 – 12,5 3 – 5 0,27 – 0,13
Idared 7,0 – 8,0 10,5 – 11,5 4 – 6 0,15 – 0,08
Jonagold 7,0 – 8,0 11,5 – 12,5 7 – 9 0,07 – 0,05
Mairac 8,0 – 10,0 11,5 – 13,0 4 – 6 0,22 – 0,09
Natyra 7,5 – 8,5 13,0 – 14,5 4 – 6 0,22 – 0,09
Pinova 8,0 – 9,0 13,0 – 15,0 4 – 6 0,13 – 0,09
Rubinella 9,0 – 10,0 12,0 – 14,0 3 – 6 0,28 – 0,11
Rubinette 7,0 – 8,0 12,5 – 13,5 4 – 5 0,15 – 0,12
Santana 6,5 – 7,5 10,5 – 11,5 2 – 3 0,30 – 0,20
Sonnenglanz 8,5 – 9,5 12,0 – 13,0 6 – 8 0,13 – 0,08
Topaz 7,0 – 8,0 11,5 – 12,5 4 – 6 0,15 – 0,10
Wellant 7,0 – 8,0 11,5 – 12,5 4 – 6 0,15 – 0,08
Alexander Lucas 6,0 – 7,0 10,0 – 12,0 4 – 6 0,18 – 0,08
Concorde 6,0 - 7,0 12,0 - 13,5 4 – 6 0,15 – 0,07
Conference 6,0 – 7,0 11,5 – 13,0 4 – 6 0,15 – 0,08
Gellerts 5,0 – 6,0 11,0 – 13,0 5 – 6 0,11 – 0,06
Gute Luise 6,5 – 7,5 12,0 – 13,0 4 – 6 0,11 – 0,09
Vereinsdechants 5,0 – 6,0 12,0 – 13,5 7 – 8 0,07 - 0,05
Williams 7,0 – 8,0 10,0 – 12,0 4 – 6 0,20 – 0,10
Xenia 5,5 – 6,0 11,0 – 13,0 4 – 6 0,11 – 0,08

*Werte bei Äpfeln gemessen mit großem Stempel in kg/cm² (11 mm), bei Birnen gemessen mit kleinem Stempel (8 mm) in kg/0,5 cm²

Steinobst
Der Flug der zweiten Generation des Pflaumenwicklers hält an. Aus unbehandelten Anlagen kommen vereinzelt Meldungen über starke Vermadung. Achten Sie weiterhin auf eine rechtzeitige und konsequente Behandlung der Spätsorten mit Insegar (0,2 kg – WZ 28 Tage – max. 2 Anwendungen) etwa 4 Wochen vor dem voraussichtlichen Erntetermin. Wo die Wartezeit nicht mehr ausreicht, kann auch Minecto One (0,0625 kg – WZ: 7 Tage – max. 1 Anwendung) eingesetzt werden. Beide Mittel sind bienengefährlich!

Zum Schutz gegen den Zwetschgenrost empfehlen wir bei dieser Maßnahme den Zusatz von Signum (0,25 kg – WZ: 7 Tage)

Soweit nicht anders erwähnt, beziehen sich die genannten Mittelmengen auf l bzw. kg pro ha und 1 m Kronenhöhe.

Ansprechpartner

Thomas Riehl
AELF Kitzingen-Würzburg, Dienstort Kitzingen
Mainbernheimer Straße 103
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Telefon: 09321 3009-1421
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Fax: 09321 3009-1011
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