Würzburger Wälder nach Trockenheit und Hitze
Unser Wald unter Druck

Einladung in den Wald im Landkreis Würzburg

Situation und Konsequenzen nach den Trockenjahren 2018 bis 2020

Der Wald im Landkreis Würzburg hat unter der Trockenheit und Hitze der vergangenen Sommer von 2018 bis 2020 stark gelitten. In vielen Waldbeständen finden sich in ungewöhnlichem Ausmaß absterbende und bereits abgestorbene Bäume.

Betroffen sind im ganzen Landkreis Kiefern und Fichten. Die Fichten sind wegen des Befalls durch den Borkenkäfer abgestorben, zum Teil aber auch aus Wassermangel vertrocknet. Die Kiefern sind auch durch Trocken- und Hitzeschädigung abgestorben, denn vor allem die Waldkiefer als nordische Baumart, verträgt hohe Sommertemperaturen um 40 Grad Celcius nicht. Zusätzlich können Insekten und Pilze, wie der Diplodiapilz, die Waldkiefer, aber auch die hitzeertragendere Schwarzkiefer bis zum Absterben schwächen. Mit Schwerpunkt im westlichen Bereich des Landkreises lassen sich außerdem bisher nicht gekannte - zum Teil erhebliche - Trockenschäden bei ausgewachsenen Buchen beobachten. Bei weiteren Baumarten wie Birken, Eschen oder Kirschen sind örtlich auch Trockenschäden in den Baumkronen bis zum vollständigen Absterben zu sehen.

Die Hitze- und Trockenjahre 2003, 2015, und nun die Phase von 2018 bis 2020, sind Extremereignisse des Klimawandels. Insbesondere ab 2019 wurden dabei Schäden sichtbar, wie sie Waldbesitzer und Förster mit ihrem bisherigen Erfahrungswissen in der Region noch nicht gesehen haben.

Klimatische Situation

Grafik: Niederschlagvergleich der Waldklimastation Würzburg

Niederschlagsvergleich

Wie kam es dazu: Die Sommer 2018, 2019 und 2020 waren mit einer positiven Abweichung bis über 3° zum langjährigen Mittel unter den fünf wärmsten seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1881 in Bayern. Aufgrund geringer Niederschläge waren alle drei Sommer (Mai bis September) gleichzeitig unter den 17 trockensten in diesen 120 Jahren Wetteraufzeichnung.
Wenn wir statt den Sommermonaten den Zeitraum April bis November betrachten, wurde im Jahr 2018 sogar die geringste Niederschlagssumme sowie die höchste mittlere Lufttemperatur seit Beginn flächenhafter Aufzeichnungen im Jahr 1881 gemessen.
Im Verlauf des Jahres 2020 fehlte es während der Vegetationszeit deutlich an Feuchtigkeitsnachschub, der in den Sommermonaten für das Baumwachstum nötig ist.

Klimadaten für den Wald - Waldklimastation Würzburg Externer Link

Auswirkung auf die Bäume

Trockenes Laub am Waldboden

Trockenschäden Blattfall

Die Hitzewellen und Trockenperioden in einer Häufigkeit und Dauer, wie sie die Wälder in Unterfranken bislang noch nicht trafen, hinterließen bei den durchaus an Trockenheit erprobten unterfränkischen Waldbäumen ernste Schädigungen. Akuter Hitzestress und Wassermangel haben zu Welkeerscheinungen und Blattabwurf - insbes. bei der Rotbuche - bis zum Absterben der Kronenteile, beginnend im Spätsommer 2018, und dann fortgesetzt in 2019 und 2020, geführt.
Trockenbuchenkrone

Trockenbuchenkrone

In Unterfranken liegt ein besonderer Schadensschwerpunkt im westlichen Landkreis Würzburg, vor allem auf flachgründigen Muschelkalkkuppen und an Süd- und Westhängen. Schäden zeigten sich sowohl an Bäumen in aufgelockerten Waldbereichen, zum Beispiel wegen laufender Waldverjüngung, als auch in weitgehend geschlossenen Waldstrukturen. Überproportional betroffen sind mächtige Altbuchen mit einem Alter von über 100 Jahren. Das Schadensausmaß ist häufig einzeln bis truppweise, örtlich aber auch flächig.

Beobachtet wurden und werden zu der Trockenheit an allen Baumarten weitere Schädlinge und Krankheiten, zum Beispiel:

  • An der Eiche der Schwammspinner, Eichenprozessionsspinner, Eichensplintkäfer, Eichenprachtkäfer. Die aktuelle Witterung (warm, feucht) führt zu verstärkten Eichenmehltau, der vor allem den Regenerationstrieb (Johannistrieb) nach Entlaubung der Eiche durch den Schwammspinner betrifft.
  • Bei der Buche sind dies holzbrütende und unter Rinde brütende Schadinsekten wie beispielsweise der kleine Buchenborkenkäfer.
  • Beim Ahorn treten die Ahornrussrindenkrankheit, und weitere Pilzerkrankungen auf.
  • Die Kiefer leidet zudem am Diplodiatriebsterben, und nachfolgend sekundären Schadinsekten wie dem blauen Kiefernprachtkäfer.

Umgang mit der Situation

Wie geht es weiter: Es gilt nach dem Extremereignis Trockenheit weiter für einen klima-stabilen Waldaufbau zu arbeiten. Das bedeutet auf ganzer Fläche Mischwälder zu erhalten oder zu schaffen. Die Voraussetzungen sind in unserer Region sehr gut, denn es wachsen bereits viele verschiedene Laubbaumarten bei uns, darunter auch trockenheitsertragende Arten wie zum Beispiel der Feldahorn, die Elsbeere, der Speierling oder die Mehlbeere. Hier kann die Möglichkeit der Naturverjüngung für die neue Waldgeneration genutzt werden. Je nach Ausgangssituation und Alter des Waldes wird die Entwicklung weiter intensiv beobachtet, und bei Bedarf gepflanzt und gepflegt, um die Baumartenmischung zu erhalten und zu sichern. In vorsichtigem Umfang werden auch geeignete nicht-heimische Baumarten aus dem mediterranen Klima als Beimischung gepflanzt.

Es wird im Landkreis Würzburg zukünftig Bereiche geben in denen der reine Walderhalt aus Gründen des Klima- und Bodenschutzes die gemeinsame Herausforderung ist, zum Beispiel auf Kuppen und Hängen. Auch wird die Bewässerung von Neuanpflanzungen an Bedeutung gewinnen.

Konsequenzen für die Waldbesucher

Warnschild Trockenschäden mit Warntext

Warnschild Trockenschäden

Regelmäßige Waldbesucherinnen und Waldbesucher sehen die Veränderungen: vertrocknete Fichten und Kiefern stehen rostrot bis grau verfärbt, oft an Waldrändern gut sichtbar; hohe abgestorbene Buchen, vereinzelt auch Eichen oder andere Baumarten, sind im Wald als Baumgerippe, und bei der Aufsicht auf den Wald, als graue Astwolke zu erkennen. Entlang von Wegen wurde oft mit dem Harvester oder mit der Motorsäge gearbeitet und nicht mehr verkehrssichere Bäume entfernt. Und jetzt im Sommer sieht es an Sonnentagen im Wald an vielen Stellen heller aus, mehr Licht kommt auf den Waldboden, sei es an den Wegen, sei es im Waldinneren.

Die Situation im Wald verändert sich gerade mit der Folge, dass es vermehrt Bereiche im Wald gibt mit stehendem Totholz: das sind abgestorbene Bäumen, die nicht mehr entnommen werden. Diese Totholz-Anreicherung hat positive Auswirkungen auf die Biodiversität, da viele Pilze und Insekten, und in der Folge auch Vögel und andere Tiere, von diesen zusätzlichen Strukturen profitieren.
Für den Aufenthalt im Wald bedeutet dies jedoch eine deutliche Veränderung der waldtypischen Gefahren. Gab es im regelmäßig gepflegten und durchforsteten Wald bisher eher in wenig zugänglichen Bereichen - alte und noch lebende - Biotop- bzw. Totholzbäume, sind diese nun überall im Wald zu erwarten.

Durch die Trockenschäden in den Wäldern wird Waldbesuchern beim Spazierengehen oder sonstigen Aufenthalten im Wald zu erhöhter Aufmerksamkeit geraten, und bei Wind, Sturm oder starkem Regen ist der Wald unbedingt zu meiden.

Ausblick

Als langlebige Ökosysteme leiden unsere Wälder zunehmend unter der Klimaerwärmung. Beginnend mit dem Trockensommer 2003 (das letzte Trockenjahr davor war 1976) erleben wir zunehmend trockene Phasen, insbesondere im Sommer. Dieser rasche Wandel der Wachstumsbedingungen bringt die Wälder in große Bedrängnis, insbesondere in bereits warmtrockenen Regionen wie Mainfranken.

Gemeinsam gilt es die Wälder weiter klimastabil zu machen – differenziert je nach örtlicher Situation - und die Klimaerwärmung zu begrenzen.